Ev. Kirchengemeinde Wolfershausen-Brunslar-Deute
Ev. Kirchengemeinde Wolfershausen-Brunslar-Deute

1. Sonntag nach Epiphanias (8. Januar 2023) 

An diesem Sonntag feiern wir den Gottesdienst online – darum hier der Lesegottesdienst nach einem Entwurf von Matthias Wörrmann -

mit herzlichen Grüßen Ihre Pfrin. Jana Roske-Voß und Pfr. Sebastian Voß

 

Die Musik in diesem Gottesdienst wurde eingespielt von Manuel Wunsch (EG 66, 170, 200)

und Rita Hesse-Brand (EGplus +142) – vielen herzlichen Dank!

Eröffnung des Gottesdienstes

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Herzlich Willkommen zum Lesegottesdienst - schön, dass Sie da sind.

 

Gott kommt zur Welt, Christus erscheint in unserem Leben –

das feiern wir in der Epiphaniaszeit.

 

Im heutigen Gottesdienst steht die Taufe Jesu im Mittelpunkt.

Da erscheint Jesus als Gottes Sohn,

wird erkennbar als das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.

So macht er uns frei zum Leben als Kinder Gottes.

 

Darum grüße ich Sie mit dem Wochenspruch dieser Woche aus dem Römerbrief (8,14):

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

 

Dass wir so leben können, dazu segne Gott uns diesen Gottesdienst.

Amen.

 

Lied EG 66 Jesus ist kommen

EG 66,1-2 Jesus ist kommen MW.mp3
MP3-Audiodatei [1.3 MB]

 

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

bei Deiner Taufe bist Du als Gottes Sohn erschienen.

Du bist in unsere Welt gekommen und willst uns versöhnen mit Gott.

So bitten wir Dich:

Sei Du auch jetzt mitten unter uns, 

führe uns zusammen als Gottes Töchter und Söhne,

öffne unsere Ohren für sein Wort und unsere Herzen für seine Liebe.

Durch Gottes guten Geist.

Amen.

 

 

Das Evangelium zum Sonntag steht bei Matthäus im 3. Kapitel und erzählt von Jesu Taufe

13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes,

dass er sich von ihm taufen ließe.

14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach:

Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?

15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm:

Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.

Da ließ er´s ihm zu.

16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser.

Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf,

und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren

Und über sich kommen.

17 Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach:

Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Amen.

 

 

Lied EG 200 Ich bin getauft auf deinen Namen

EG 200,1-3.mp3
MP3-Audiodatei [1.8 MB]

 

 

 

Bild: Schlussstein an der Decke der ev. Gertrudis-Kirche in Saalfeld Graba (Thüringen) (Bild: gemeindebrief.de)

 

 

 

 

 

 

Predigt

 

„Christ ist erschienen, uns zu versühnen“ –

so wird oft gesungen in der gnadenbringenden Weihnachtszeit (EG 44,2).

Gott kommt mitten in unsere Welt,

Christus erscheint in unserem Leben.

Darum feiern wir die Geburt Jesu.

Doch sichtbar tritt Jesus als Gottes Sohn erst 30 Jahre später in Erscheinung,

als er sich von Johannes im Jordan taufen lässt.

 

Wie der Evangelist Matthäus davon erzählt, haben wir im Evangelium gelesen.

Da wird auch klar, warum die Taufe so bedeutsam ist, denn sichtbar erscheint Jesus als Sohn Gottes:

Siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach:

Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Matthäus 3,17)

 

Anders als bei Matthäus werden im Johannesevangelium keine Einzelheiten von dieser Taufe erzählt.

Hier geht es allein darum, dass der Täufer Johannes Zeugnis abgibt von Jesus als dem Sohn Gottes.

So heißt es bei Johannes 1,29-34:

29 Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht:

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!

30 Dieser ist´s, von dem ich gesagt habe:

Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich.

31 Und ich kannte ihn nicht.

Aber damit er offenbar werde für Israel, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser.

32 Und Johannes bezeugte es und sprach:

Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.

33 Und ich kannte ihn nicht.

Aber der mich gesandt hat zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir:

Auf welchen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist´s,

der mit dem Heiligen Geist tauft.

34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.

 

Die äußeren Umstände der Taufe sind für den Evangelisten Johannes nicht wichtig.

Anders als Matthäus und Lukas erzählt er nicht,

dass der Täufer ein Gewand aus Kamelhaaren hatte,

Heuschrecken und wilden Honig aß und die Menschen zur Umkehr rief.

Genau genommen wird im Johannesevangelium gar nicht erzählt,

wie Jesus im Jordan getauft wird.

Alles kommt hier darauf an, dass der Täufer auf Jesus hinweist und ihn als Gottes Sohn bezeugt:

Dieser ist Gottes Sohn“, sagt der Täufer mit dem Hinweis:

Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.“

 

Es gibt einen klaren Grund, warum das Zeugnis des Johannes so wichtig ist:

Es ist nicht für alle erkennbar, dass in Jesus Gott selbst erschienen ist.

Gott erscheint ja nicht mit Macht und Herrlichkeit,

Christus kommt inmitten von Armut und Not zur Welt.

Unspektakulär und schwach wie ein Lamm tritt Christus in Erscheinung.

Dass in Jesus Gott zu uns kommt, konnten damals viele nicht glauben –

heute ist es nicht anders.

Darum weist der Täufer mehrfach darauf hin:

Dieser ist es, Jesus ist Gottes Sohn.

 

Doch der Täufer sagt noch mehr.

Er sagt nicht nur: Ich bin es nicht, dieser ist es.

Er sagt auch, wer Jesus eigentlich ist:

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!

Für jüdische Ohren muss das zugleich vertraut und provokativ klingen.

Die Rede vom Lamm Gottes erinnert dreifach an die heiligen Schriften und die Tradition:

Als Erstes wird man an das Passafest erinnert.

In Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten wird da ein Passalamm geschlachtet.

Das Blut von Lämmern soll damals in Ägypten Zeichen des Schutzes und des Aufbruchs gewesen sein.

 

Zugleich kann man aber auch an einen anderen Feiertag denken, den Jom Kippur.

An diesem Versöhnungstag wurden symbolisch alle Sünden des Volkes auf einen Schafbock geladen.

Dieser Sündenbock wurde dann in die Wüste gejagt,

so dass keine Sünde mehr zwischen Gott und seinem Volk stand.

 

Und schließlich kann man sich erinnern an das,

was im Buch des Propheten Jesaja im 53. Kapitel über den leidenden Gottesknecht geschrieben steht:

Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.

Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

Als er gemartert ward, litt er doch willig

und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird (Jes. 53,6-7a).

 

Das alles schwingt mit, wenn es über Jesus heißt:

„Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“

Jesus hat sein Leben geopfert,

um unsere Sünden wegzutragen und uns zum wahren Leben zu befreien.

So und nicht anders erscheint Gott in dieser Welt.

„Christ ist erschienen, uns zu versühnen.“

 

Christus ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt:

Martin Luther hat das zum Hauptartikel unseres Glaubens gezählt,

von dem man „nichts weichen oder nachgeben kann,

es falle Himmel und Erden“ (Martin Luther, Schmalkaldische Artikel).

Auch wir singen davon dreimal in der Abendmahlsliturgie:

„Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt.“

Dennoch bleibt das Bild vom Lamm, das für unsere Sünden geopfert wird, fremd in unserer Zeit.

Allein der Gedanke an Opfertiere oder gar Menschenopfer ist uns zuwider,

Opferriten gibt es allenfalls in obskuren Sekten.

Anscheinend passen sühnende Opfer nicht in unsere aufgeklärte und moderne Zeit.

 

Doch der Schein trügt.

Zumindest die Sprache verrät, wie lebendig Opfervorstellungen unter uns sind.

Menschen, die bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind, werden Verkehrsopfer genannt.

Bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen in Kirche und Gesellschaft

rücken die Opfer zu Recht mehr und mehr in den Blick.

Vor allem aber:

Im Zusammenhang von kriegerischen Auseinandersetzungen werden viele Opfer beklagt,

Soldaten ebenso wie Zivilisten.

So erleben wir es im Blick auf die Ukraine.

 

Sicherlich wird in all diesen Situationen ohne Hintergedanken von Opfern gesprochen,

aber es schwingt doch mehr mit.

Früher sagte man, dass gefallene Soldaten ihr Leben für Volk und Vaterland geopfert haben.

Das ist zum Glück vorbei.

Doch der Ausdruck ist geblieben, und man kann fragen:

Auf welchen Altären werden die Toten und Missbrauchten eigentlich geopfert?

Wofür leiden und sterben sie?

Wer von Opfern redet,

gibt dem Leiden und Sterben von Menschen eine Deutung,

die den Betroffenen nicht gerecht wird.

 

Im Johannesevangelium weist der Täufer auf Jesus:

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!,

und Martin Luther fügt hinzu, dass Christus „allein das Lamm Gottes ist“.

Allein er trägt die Sünde der Welt.

Niemand sonst.

 

Wenn wir dem Zeugnis des Johannes vertrauen und auf Christus schauen, heißt das:

Es gibt kein sinnvolles Opfer unter uns Menschen,

weil Christus ein für alle Mal sein Leben gegeben hat.

Weil Christus unter uns erschienen ist, brauchen wir keine Opfer mehr.

Wir leben nicht vom Opfern, sondern von der Vergebung, von Gottes Gnade.

 

Darum brauchen wir keine Opfer als Regulativ unseres Zusammenlebens.

Das bedeutet, dass Liebe und Verantwortung die Grundlage unseres Zusammenlebens sind.

Befreit durch Christi Gnade werden wir im anderen nicht das Opfer sehen,

sondern einen geliebten Menschen.

Verantwortlicher Umgang im Straßenverkehr ist gefordert, damit niemand ums Leben kommt.

Die Kirchen können sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen

angesichts der bekannten und der verheimlichten Fälle von Missbrauch

und müssen Wege zur Versöhnung finden und gehen.

Politiker müssen gerade in Krisen ihrer Verantwortung gerecht werden

und sich für das Wohl der Menschen einsetzen.

Jede kriegerische Auseinandersetzung fordert Menschenleben,

darum müssen anderen Lösungen gefunden werden.

 

Eines unterscheidet Jesus von all denen, die zu Opfern gemacht werden:

Jesus ist nicht geopfert worden, er hat sich selbst hingegeben.

Er ist seinen Weg freiwillig gegangen.

Seine Liebe zu uns Menschen hat ihn in Leid und Tod geführt.

Aus lauter Liebe hat er sich selbst dahingegeben.

Nur so ist der Gedanke des Opfers für mich heute erträglich,

nur so kann ich auch über Jesus hinaus vom Opfern reden.

Denn das heißt recht verstanden, Jesus konsequent nachzufolgen:

das eigene Leben für die Sache Jesu, für die Liebe hinzugeben.

 

Und tatsächlich kenne ich Menschen, die so gelebt haben oder leben.

Es gibt sie auch in unserer Gemeinde;

doch meist machen sie nicht viel Aufhebens davon.

Ich denke an den Mittvierziger, der seinen Beruf an den Nagel gehängt hat und Altenpfleger geworden ist:

Er will für die pflegebedürftigen Menschen da sein.

Oder die Abiturientin, die nach der Schule für ein Jahr ins Ausland geht,

um Kinder zu unterstützen, die in Armut leben.

 

„Christ ist erschienen, uns zu versühnen“:

Er allein ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.

Darum muss es keine sinnlosen Opfer geben.

Aber in der Nachfolge können wir uns hingeben –

für die Liebe Gottes, die allen Menschen gilt.

So wie es im Weihnachtslied von Paul Gerhardt heißt (EG 37,1):

 

„Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben,

ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,

Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir´s wohl gefallen.“

Amen.

 

 

 

Lied EG 170 Komm, Herr, segne uns

EG 170 Komm Herr segne uns MW.mp3
MP3-Audiodatei [2.2 MB]

Fürbitte

Herr Jesus Christus, Du bist erschienen uns zu versühnen.

Dafür danken wir Dir und preisen Dich

und bringen vor Dich, was uns beschwert.

 

Wir bringen vor Dich all die Not und das Leid der Menschen,

die zu Opfern geworden sind:

Lass ihnen Gerechtigkeit und Frieden widerfahren.

 

Wir bitten Dich auch für all die anderen Menschen,

die in unserer Welt zu Opfern gemacht wurden:

Schenke ihnen wieder Vertrauen in das Leben

und lass sie Freude und Hoffnung im Leben erfahren.

 

Wir bitten Dich für die Einflussreichen in Politik und Wirtschaft:

Lass Deine Gerechtigkeit wachsen unter uns

und hilf zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Macht.

 

Wir bitten Dich für unsere Gemeinde und für Deine Kirche an allen Orten der Erde:

Lass uns lebendige Zeugen Deiner Gnade sein,

dass wir lernen, uns für Deine Liebe hinzugeben,

und dass wir in Liebe und Verantwortung miteinander umgehen.

 

So sei Du uns und allen Menschen nahe,

dass wir als Deine geliebten Kinder leben können.

Was uns persönlich in diesen Tagen bewegt, bringen wir vor dich:

- hier können eigene Gebetsangliegen genannt werden -

 

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

Lied EG EGplus +142 Verleih uns Frieden gnädiglich (Halleluja, Kyrie eleison!)

 

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

 

Fragen für die Konfis:

 

Wenn Du mir eine Email mit Deinen Antworten zu diesem Gottesdienst schickst (= heute mindestens 2 Fragen beantworten!!!), dann bekommst Du von mir die Unterschrift in Deinen Gottesdienstpass -

Email an: sebastian.voss@ekkw.de

 

 

Fragen an die Konfis:

 

1. In der Predigt wird über das Lamm gesprochen als religiöses Bild (Symbol):

(a) Welche Bedeutung hat das Lamm im Judentum?

(b) Welche Bedetung passt zu Jesus?

 

2. Welche Strophe vom Lied EG 200 passt deiner Meinung nach am besten zum Evangelium (Matthäus 3)?- Begründe deine Meinung!

 

3. Wenn du ernst nimmst, was in der Predigt gesagt wird: Welches (leider oft gebrauchte) Schimpfwort wirst du nicht mehr benutzen? Und warum solltest du es nicht tun?

 

 

 

EG 599 Selig seid ihr RH.mp3
MP3-Audiodatei [2.1 MB]

 

 

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